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Was steckt hinter GMES?
Veröffentlicht: 28.01.2010
Die EU beschäftigt sich derzeit mit der Schaffung eines europäischen Erdbeobachtungssystems, kurz GMES (Global Monitoring for Environment and Security). Der Europaabgeordnete Norbert Glante ist Berichterstatter im parlamentarischen Fachausschuss und gab dem Pressedienst des Europäsichen Parlaments zu diesem aktuellen Thema nachfolgendes Interview:

2008 begann die Pilotphase des Europäischen Erdbeobachtungsprogramms GMES (Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung), gefördert mit den Mitteln des EU-Forschungsprogramms. Das Programm soll die systematische Nutzung von Daten über die Erde etwa bei Naturkatastrophen, aber auch im Hinblick auf den Klimawandel verbessern, wie der SPD-Abgeordnete Norbert Glante erklärt. Das EU-Parlament befasst sich derzeit mit der Rechtsgrundlage für die voll-operative Phase, die ab 2011 beginnen soll.

Warum braucht Europa ein Erdbeobachtungsprogramm?
Momentan werden derlei Daten von nationalen Behörden, Forschungsinstituten, Privatfirmen und vom Militär gesammelt, aber es mangelt an Kompatibilität. Das Europäische Erdbeobachtungsprogramm wird von der Kommission betrieben in Zusammenarbeit mit den Mitgliedsstaaten. Es geht darum, per Satellit und über Erdstationen verlässliche Daten zu sammeln.

Die EU baut in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumagentur ESA Satelliten, während die Mitgliedsstaaten ihre Stationen zu Luft, zu See und auf dem Boden nutzen, um Daten zu sammeln und weiter zu verarbeiten, um sie den Nutzern zur Verfügung zu stellen.

Was bringt es aus Sicht der Bürger?
Es geht darum das Umwelt-Management zu verbessern, indem wir besser über die Erdoberfläche, die Artenvielfalt, den Zustand der Meere und die Zusammensetzung der Atmosphäre Bescheid wissen. Die soll auch die Sicherheit der Menschen verbessern, zum Beispiel in Hinblick auf Naturkatastrophen.

Konkret gesprochen – im Falle eins Erdbebens können akkurate Satelliten gestützte Karten den Einsatz der Rettungsteams verbessern. Die Veränderung des Meeresspiegels als Folge des Klimawandels kann genau gemessen werden und GMES kann nach einer Havarie genau erfassen, wie sich der Ölteppich ausbreitet und entsprechend zum Schutz der Küsten beitragen.

Hätte das voll operationsfähige System eine Katastrophe wie in Haiti verhindern können?
Natürlich kann ein System wie GMES keine Naturkatastrophe verhindern.
Aber es kann die negativen Folgen begrenzen. GMES kann dazu beitragen, dass die Rettungsteams schneller vor Ort sind. Bilder können dazu beitragen, die besonders betroffenen Gebiete zu identifizieren. Man kann erkennen, wo Infrastruktur zerstört wurde – Straβen, Schienen, ob der Flughafen beschädigt wurde oder nicht. Man kann der Bevölkerung effektiver helfen oder sie evakuieren.

Wie können Sie die hohen Kosten des Projekts angesichts der Wirtschaftslage rechtfertigen?
Die Gesamtkosten sind noch nicht abschlieβend definiert. Es geht um einige hundert Millionen, das ist für ein derartiges Infrastrukturprojekt nicht wirklich viel. Niemand würde etwa mit der Arbeitslosigkeit gegen den Bau einer Autobahn argumentieren.

Worum dreht sich die aktuelle Diskussion im Europaparlament?
Drei Fragen: erstens das Budget – die Kosten sind um mehr als 70% gestiegen. Wir müssen neues Geld auftreiben für die Satelliten.

Zweite Frage ist, wie die Daten verwendet werden – werden sie kostenlos zur Verfügung gestellt oder müssen die Nutzer zahlen?

Drittens stellt sich die Frage, wie das System im Verhältnis zu privaten Anbietern ähnlicher Dienste positioniert wird.

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